Magnesium ist an mehreren hundert Stoffwechselprozessen beteiligt – von der Muskel- und Nervenfunktion bis zur Herzaktivität. Ein Mangel entsteht dabei nicht nur durch eine zu geringe Zufuhr über die Nahrung. Auch die Aufnahme im Körper spielt eine entscheidende Rolle: Nicht jede Magnesiumverbindung wird gleich gut verwertet. Welche chemische Form ein Präparat enthält, kann daher einen deutlichen Unterschied machen.

Wofür der Körper Magnesium braucht

Magnesium wirkt als Cofaktor für mehr als 300 Enzyme im Körper. Es ist an der Muskelkontraktion und -entspannung beteiligt, an der Reizweiterleitung im Nervensystem, am Aufbau von Knochen sowie am Energiestoffwechsel in Form der ATP-Bildung.

Auch für die elektrische Erregungsleitung des Herzens spielt Magnesium eine Rolle. Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte den vorbeugenden Effekt einer Magnesiumgabe auf neu auftretendes Vorhofflimmern außerhalb herzchirurgischer Eingriffe (Curran et al., 2023). Bestehende Herzrhythmusstörungen sollten unabhängig davon immer ärztlich abgeklärt werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt für Erwachsene Schätzwerte von etwa 350 Milligramm täglich für Männer und 300 Milligramm für Frauen. Dabei handelt es sich um Werte für die gesamte Zufuhr über die Ernährung, nicht um Dosierungsempfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel. Der Referenzwert beschreibt einen Bedarf auf Bevölkerungsebene und ersetzt keine individuelle Einordnung.

In der Praxis zeigt sich, dass der individuelle Magnesiumbedarf und die Reaktion auf eine Supplementierung unterschiedlich ausfallen können. Die Dosierung sollte deshalb nicht pauschal, sondern anhand der persönlichen Situation, der Nierenfunktion, der Verträglichkeit und des Verlaufs festgelegt werden und ausschließlich in ärztlicher Begleitung, nicht in Eigenregie.

frau sitzend nach sport

Wie ein Magnesiummangel entstehen kann

Ein Mangel kann verschiedene Ursachen haben. Zu den relevanten Einflussfaktoren zählen unter anderem:

  • eine unzureichende Zufuhr über die Ernährung
  • anhaltender Stress
  • regelmäßiger Alkoholkonsum
  • erhöhte Verluste, beispielsweise durch starkes Schwitzen bei intensiver körperlicher Belastung
  • bestimmte Medikamente, etwa manche Entwässerungsmittel oder Säureblocker für den Magen
  • Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts mit gestörter Nährstoffaufnahme
  • besondere Lebenssituationen wie Schwangerschaft und Stillzeit, in denen die Versorgung individuell beurteilt werden sollte

Warum die chemische Verbindung über die Aufnahme entscheidet

Magnesium kommt in Nahrungsergänzungsmitteln nie als reines Element vor, sondern stets gebunden an einen Verbindungspartner. Diese Bindungspartner werden in der Literatur auch als Liganden bezeichnet und lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: anorganische Verbindungen wie Oxid, Carbonat, Chlorid oder Hydroxid und organische Verbindungen wie Citrat, Glycinat, Lactat, Aspartat oder Orotat.

VerbindungstypBeispieleEinordnung
AnorganischMagnesiumoxid, -carbonat, -chlorid, -hydroxidin Studien tendenziell geringere Bioverfügbarkeit, oft günstiger im Preis
OrganischMagnesiumcitrat, -glycinat, -lactat, -aspartat, -orotatin Studien tendenziell bessere Aufnahme, teils höherer Preis

Welche Verbindung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt neben der Bioverfügbarkeit auch von individueller Verträglichkeit und Anwendungszweck ab. Ein pauschal „bestes“ Präparat für jeden Menschen existiert nicht. Welche Verbindung geeignet ist, zeigt sich anhand der individuellen Verträglichkeit und, wenn medizinisch sinnvoll, durch eine spätere Kontrollmessung.

Was die Studienlage zeigt

Studien weisen auf Unterschiede zwischen verschiedenen Magnesiumverbindungen hin. In einer randomisierten Studie wurde Magnesiumcitrat bei gleicher Menge an elementarem Magnesium besser aufgenommen als Magnesiumoxid (Walker et al., 2003). Ein systematischer Übersichtsartikel bestätigt grundsätzliche Unterschiede in der Bioverfügbarkeit zwischen organischen und anorganischen Verbindungen (Blancquaert et al., 2019). Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht pauschal auf jedes Präparat übertragen, da sich Formulierungen, Dosierungen und Messmethoden unterscheiden.

Magnesium im Konzept des Bluttunings

Im Konzept des Bluttunings wird der Magnesiumstatus nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit weiteren Elektrolyten wie Kalium und Calcium, mit Vitamin D sowie mit Beschwerden wie Muskelkrämpfen, innerer Unruhe, Erschöpfung oder Herzrhythmusstörungen eingeordnet. Referenzbereiche für Magnesium im Serum variieren je nach Labor, liegen häufig aber im Bereich von etwa 0,75 bis 1,05 mmol/l.

Im Konzept des Bluttunings werden bei entsprechender Beschwerdesymptomatik mitunter Zielbereiche im oberen Referenzbereich angestrebt. Diese Einordnung ist ausdrücklich keine allgemeinverbindliche Optimalwert-Angabe und ersetzt keine individuelle ärztliche Diagnostik.

Bei bestehender Nierenerkrankung oder der Einnahme bestimmter Medikamente ist eine unkontrollierte, hochdosierte Magnesium-Supplementierung nicht empfehlenswert. In diesen Fällen ist eine vorherige ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Wie der Magnesiumstatus im Bluttuning erfasst wird

Entscheidend ist die Einordnung im Zusammenhang: Im Rahmen einer umfassenden Blutanalyse wird der Magnesiumwert gemeinsam mit weiteren Elektrolyten, Vitamin D und den individuellen Beschwerden betrachtet. Auf dieser Grundlage kann bei Bedarf ein individueller Einnahmeplan mit einer geeigneten, gut bioverfügbaren Magnesiumverbindung abgestimmt werden. Nach einigen Monaten kann eine Kontrollmessung zeigen, ob sich der Status verändert hat.

Warum Magnesium auch für den Vitamin-D-Stoffwechsel wichtig ist

Magnesium ist an mehreren Enzymreaktionen beteiligt, die für den Stoffwechsel von Vitamin D erforderlich sind. Ein unzureichender Magnesiumstatus kann daher beeinflussen, wie Vitamin D umgewandelt und genutzt wird. Welche Bedeutung dies im Einzelfall hat, hängt vom Magnesium- und Vitamin-D-Status sowie von weiteren gesundheitlichen Faktoren ab. Eine randomisierte Studie fand Hinweise darauf, dass ein guter Magnesiumstatus die Umwandlung von Vitamin D in seine aktive Form unterstützen kann (Dai et al., 2018). Bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung wird zudem diskutiert, ob ein unerkannter Magnesiummangel zu einem anhaltenden Vitamin-D-Mangel beitragen kann – ein Zusammenhang, der bislang vor allem für diese Patientengruppe untersucht wurde (Matias et al., 2023).

Deshalb betrachtet das Bluttuning nicht einen einzelnen Wert isoliert, sondern das Zusammenspiel verschiedener Laborparameter.

Häufige Fragen zu Magnesium

Welche Magnesiumverbindung wird am besten aufgenommen?

Organische Verbindungen wie Magnesiumcitrat oder bestimmte Aminosäurechelate können besser verfügbar sein als Magnesiumoxid. Magnesiumoxid enthält dafür einen höheren Anteil an elementarem Magnesium. Für die Beurteilung eines Präparats sollten deshalb nicht nur die chemische Verbindung, sondern auch die tatsächlich enthaltene Menge an elementarem Magnesium, die Löslichkeit, die Verträglichkeit und der individuelle Anwendungszweck berücksichtigt werden. Ein pauschal bestes Präparat gibt es nicht – wie immer im Konzept des Bluttunings gilt: Wer wissen will, muss messen.

Wie erkennt man einen Magnesiummangel im Blut?

Ein Magnesiummangel zeigt sich nicht immer eindeutig im Serumwert, da der Körper den Blutspiegel zulasten der Speicher in Muskeln und Knochen stabil halten kann. Symptome wie Muskelkrämpfe, innere Unruhe oder Herzrhythmusstörungen können auch bei formal unauffälligem Serumwert auftreten. Eine ärztliche Einordnung im Zusammenhang mit weiteren Werten und Beschwerden ist daher sinnvoller als die isolierte Betrachtung eines einzelnen Laborwerts.

Kann man Magnesium überdosieren?

Über die Nahrung ist eine Überdosierung kaum möglich. Bei hochdosierten Präparaten kann es zu Durchfall kommen. Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion sind höhere Dosierungen ohne vorherige ärztliche Rücksprache nicht empfehlenswert.

Welche Lebensmittel enthalten viel Magnesium?

Gute Magnesiumquellen sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse, Nüsse und Samen. Auch Fisch und Meeresfrüchte sowie bestimmte Mineralwässer können zur Versorgung beitragen.

Wie oft sollte der Magnesiumspiegel kontrolliert werden?

Das hängt von Beschwerden, Risikofaktoren und der individuellen Situation ab. Bei anhaltenden Symptomen oder im Rahmen einer umfassenden Blutanalyse kann eine Kontrolle sinnvoll sein. Ein pauschaler Kontrollrhythmus gilt nicht für alle Menschen gleich. Bei intensiver sportlicher Belastung oder anhaltendem Stress kann eine individuelle Kontrolle sinnvoll sein; ob eine Supplementierung erforderlich ist und welcher Zielbereich angestrebt wird, sollte anhand des Befunds und der persönlichen Situation entschieden werden.

Fazit: Die Menge allein sagt wenig über die Wirkung

Ob ein Magnesiumpräparat im Körper ankommt, hängt nicht nur von der Dosierung ab, sondern auch von der chemischen Verbindung, der individuellen Aufnahme und dem Zusammenspiel mit anderen Laborwerten. Eine isolierte Betrachtung der Dosierung greift daher zu kurz.

Magnesiumstatus individuell einordnen lassen

Bei Mein Bluttuning wird der Magnesiumstatus im Rahmen einer umfassenden Blutanalyse gemeinsam mit weiteren Elektrolyten und den individuellen Beschwerden betrachtet. Weitere Informationen bieten die Seiten zur Blutanalyse und zur Mikronährstoffdiagnostik.

Über den Autor

Medizinisch eingeordnet von dr. med. univ. Dieter Schmidt

Dr. med. univ. Dieter Schmidt ist Facharzt für Viszeralchirurgie sowie Alpin- und Höhenmediziner und ärztlicher Leiter der Privatpraxis Mein Bluttuning in Roth. Nach langjähriger klinischer Tätigkeit übernahm er 2022 die ehemalige Privatpraxis von Dr. Ulrich Strunz. Zu seinen heutigen Schwerpunkten gehören umfassende Labordiagnostik, therapeutische Apherese und ganzheitliche Medizin.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Walker AF, Marakis G, Christie S, Byng M. Mg citrate found more bioavailable than other Mg preparations in a randomised, double-blind study. Magnesium Research. 2003;16(3):183–191.
  • Blancquaert L, Vervaet C, Derave W. Predicting and Testing Bioavailability of Magnesium Supplements. Nutrients. 2019;11(7):1663.
  • Schwalfenberg GK, Genuis SJ. The Importance of Magnesium in Clinical Healthcare. Scientifica. 2017;2017:4179326.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Magnesium.
  • Dai Q, Zhu X, Manson JE, et al. Magnesium status and supplementation influence vitamin D status and metabolism: results from a randomized trial. The American Journal of Clinical Nutrition. 2018;108(6):1249–1258.
  • Matias P, Ávila G, Ferreira AC, Laranjinha I, Ferreira A. Hypomagnesemia: a potential underlooked cause of persistent vitamin D deficiency in chronic kidney disease. Clinical Kidney Journal. 2023;16(11):1776–1785.
  • Curran J, Ross-White A, Sibley S. Magnesium prophylaxis of new-onset atrial fibrillation: A systematic review and meta-analysis. PLOS ONE. 2023;18(11):e0292974.

Sie möchten Ihre Blutwerte individuell einordnen lassen?

Nicht jeder Mensch hat dieselben Voraussetzungen. In unserer Privatpraxis betrachten wir Laborwerte, Lebensstil und persönliche Ziele im Zusammenhang und entwickeln gemeinsam mit Ihnen ein individuelles Konzept.

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Laborwerte sollten immer im individuellen medizinischen Kontext beurteilt werden.