Sie glauben, Stress ist ein Gefühl? Sie haben Recht, aber Streß ist auch Biochemie.

Bei Streß schütten Sie die Stressbotenstoffe Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin aus. Diese dienen der körperlichen Reaktion auf gefährliche Situationen im Leben im Sinne von Flucht oder Kampf, also Alarm, Spannung. Wachheit. Leistung.

Wenn die Situation beendet ist müssen diese Stoffe hinterher wieder weg, sprich abgebaut und entschärft werden.

Dreh- und Angelpunkt hierbei ist wie so oft ein Enzym, um das es in dieser News gehen soll: COMT (Catecholamin-=-Methyl-Transferase)

Es ist entsprechend seiner Leistung/Effizienz schnell – mittelmäßig oder langsam angelegt. Dies ist von zentraler Bedeutung und hat sehr viel damit zu tun wie wir auf Streß reagieren und wie lange dieser nachhallt. Aber hierzu später mehr.

COMT – die Müllabfuhr für Streßhormone, aber auch Östradiole

COMT baut Catecholamine wie Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin ab. Das ist die Hauptaufgabe der COMT.

Als Nebenschauplatz ist es aber auch noch für den Abbau von Östradiolen zuständig, und hier wird´s spannend, denn Östradiol muß bei Frau wie Mann ebenfalls abgebaut werden.

Nein, das ist kein reines Frauenproblem!

Zwar ist Östradiol d a s Weiblichkeitshormon schlecht hin bei der Frau, aber auch bei uns Männern entsteht es durch einen gesunden Testosteronspiegel über die Umwandlung durch die Aromatase. Auch bei uns Männern ist es essenziell für eine gesunde Sexualfunktion und Lustempfinden. Bei beiden Geschlechtern schützt es unsere Gefäße.

Einfach gesagt kann Östradiol in zwei Wege abgebaut werden:

  • den gesunden Weg in 2-OH-Östradiol
  • den „ungesunden Weg in 4- OH-Östradiol

4-OH-Östradiol gehört zu den Catechol-Östrogenen und aus ihnen entstehen sogenannte Semichinon-/Quinone. Und die stellen ein Problem dar.

Sie werden in Verbindung mit Mutationen in hormonaktiven Geweben gebracht, insbesondere Brust, Gebärmutter, Ovarien und Prostata. Wenn diese nicht rasch entschärft werden, können sie nachhaltigen Schaden anrichten.

Und genau diese will der Körper möglichst rasch entschärfen. Diese Entschärfung macht COMT. Und zwar schon b e v o r die toxischen Substanzen entstehen!

COMT überführt nämlich 4-OH-Östradiol in einen weniger problematischen Stoff (Methoxy-Metabolit).

So weit, so gut. Bei Streß beginnt nun das Problem, denn bei massivem Streß wird COMT mit Streßhormonen (Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin) überflutet, sozusagen gesättigt! Resultat COMT kann nicht mehr bei der Entschärfung des toxischen 4-OH-Östradiols mitwirken. 4-OH-Östradiol steigt!!! Und mit ihm seine toxischen Metabolite!

4-OH-Östradiol und Metabolite spielen eine Rolle bei der Endometriose..

Hier konnte gezeigt werden, daß in durch Endometriose verändertem Gewebe mehr 4-OH-Östradiolkonzentrationen gefunden wurde.

Was tun? COMT braucht Hilfe. Ein Enzym arbeitet nicht aus dem Nichts heraus. Es braucht Voraussetzungen:

  • Magnesium ist für COMT wichtig. Fehlt es, läuft das System nicht optimal.
  • Ebenso SAMe (S-Adenosyl-Methionin)

Die Vitamine im Hintergrund der COMT-Funktion

  • Vitamin B12
  • Vitamin B6
  • Vitamin B2

Eiweiß, Methionin, Betaine, Cholin unterstützen indirekt. Eiweiß ist wie immer wichtig, denn ohne ausreichend Eiweiß keine Aminosäuren. Besonders relevant hierbei ist Methionin.

Aber was passiert mit den schon entstandenen toxischen Metaboliten (Semichinon-/Quinone)?

Für diese Stoffe hat der Körper eigens ein spezielles Entgiftungssystem. Eine zweite Schutzebene, die wenn die COMT überlastet ist einsetzt NQO1.

NQO1 ist die „Feuerwehr“ für reaktive Stoffe dieser Art. Dieses Enzym löscht sozusagen den schon entstandenen Brand der durch toxische Östradiolmetabolite entstanden ist. Warum ich das schreibe?

Weil wir über die Apotheke Gottes hier eine mächtige Stellschraube in den Händen halten, denn dieses Enzym können wir hochfahren, effektiver machen.

Wir können es bio-hacken!

Wie? Mit Brokkoli. Genauer noch: mit dem beim Schneiden und Kauen entstehenden Stoff Sulforaphan! Es aktiviert o.g. Schutzprogramm in der Zelle, besser noch es entfesselt es voll und ganz und fährt somit dessen Aktivität nach oben, lässt es effektiver arbeiten.

In einer Studie bei Patienten mit Sichelzellenanämie konnte unter der Einnahme von Brokkolisprossen nach 21 Tagen ungefähr 42–44 % mehr NQO1-mRNA gegenüber dem Ausgangswert gesehen werden!

Sulforaphan fährt aber ebenso die Phase 2 Entgiftung hoch – das ist die Entgiftung, die gegiftete Stoffe aus Phase 1 endgültig (über Leber und Niere) nach draußen schafft, die sozusagen das Überlaufbecken der Klärgrube räumt.

Was können Sie noch tun? 4-OH-Östradiol gar nicht erst entstehen lassen!

Und hier steht Streßreduktion an aller erster Stelle!

Aber es gibt noch weitere Bio-Hacking-Tools:

Diindolylmethan (DIM / I3C)

DIM und I3C sind keine „Entgifter“ im eigentlichen Sinn, denn sie wirken mehr als Weichensteller: Sie beeinflussen welchen Weg Östrogene im Stoffwechsel bevorzugt nehmen. I3C stammt ebenfalls aus Kreuzblütlern, und im sauren Milieu des Magens wird ein Teil davon zu DIM umgebaut.

Beide helfen mit, daß Östradiol bevorzugt den „gesunden“ 2-OH-Weg nimmt und der Ausgangspunkt für toxische Metabolite (4-OH-Östradiol) gar nicht erst entsteht.

Also gerade bei genetisch langsam angelegter COMT kann helfen:

  • Sulforaphan, DIM/I3C
  • Bei der Verabreichung bioidentischer Hormone ist es aus dieser Sicht eigentlich ein Kunstfehler bei langsamer COMT auf diese Stoffe zu verzichten
  • Magnesium, SAMe (S-Adenosyl-Methionin), 5-Methyl-Tetra-Hydro-Folat, Vitamin B12, Vitamin B6, Vitamin B2, Eiweiß, Methionin, Betain, Cholin

Letztere Werte werden standardmäßig im Bluttuning mitbestimmt und auf frohmedizinische Werte angehoben.

ABER: Wie schnell ist Ihre COMT?

Kennen Sie Ihre Gene?

Gerne informieren wir Sie:

Privatpraxis dr. med. univ. Dieter Schmidt

Allersberger Straße 54

91154 Roth

Tel. 09171 1700

PS.

Natürlich bedarf es keiner großen Gedankensprünge auf den Schluß die COMT nicht zusätzlich mit Stoffen zu belasten die ebenfalls über sie abgebaut werden. Dies würde die Enzymlast natürlich erhöhen:

Diese sind:

  • Das tut besonders weh: Café! Insbesondere die darin enthaltene Caffeinsäure
  • Coffein eher indirekt, weil es SAMe verbraucht
  • Quercetin
  • Kurkuma
  • EGCG (in grünem Tee/Matcha), Rutin, Fisetin, Luteolin. 
  • Die Dopamin-Vorstufen L-Tyrosin, Phenylalanin, Mucuna pruriens
  • Auch z.B. alter Käse bzw. Tyramin haltige Nahrungsmittel
  • Rhodiola rosea als Adaptogen kann Katecholamine erhöhen und damit die Enzymlast
  • Dunkle Schokolade / Kakaoprodukte insbesondere Phenylethylamin (PEA)
  • Alkohol (erhöht Dopamin)

Bei Pharmaka sind es vor allem das ADHS Medikament Methylphenidat und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer das massive Dopamin und auch Adrenalin, Noradrenalin freisetzen und damit die COMT Funktion sättigen können.

Quellen:

  1. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006497119738233
  2. https://lpi.oregonstate.edu/mic/dietary-factors/phytochemicals/indole-3-carbinol
  3. https://link.springer.com/article/10.1007/s43032-020-00383-4
  4. https://www.sciencedirect.com/topics/neuroscience/comt-inhibitor